Filigranglas: Zeichnen mit dem Handbrenner

Heidi Höhn: "Transformation", 2013, Schalenobjekt in Filigrantechnik, Durchmesser: 21 cm, Höhe 9 cm.
Heidi Höhn: "Transformation", 2013, Schalenobjekt in Filigrantechnik, Durchmesser: 21 cm, Höhe 9 cm.

Mein Zugang zum Werkstoff Glas erfolgte zunächst als Journalistin: Indem ich mich über Jahrzehnte theoretisch mit der Glaskunst beschäftigte, wuchs in mir der Wunsch, einmal selbst mit dem Material zu arbeiten, um zu wissen, worüber ich schreibe.  Schon mit dem ersten Workshop Lampenglas bei Hermann Ritterswürden im Bildwerk Frauenau habe ich sprichwörtlich „Feuer gefangen“.

 

Die Glasgestaltung „vor der Lampe“ sowie weitere Techniken habe ich in verschiedenen Kursen bei André und Rebekka Gutgesell, Uschi Distler, Nicola Ransom, Sue Woolhouse und Shane Fero erlernt. In der anschließenden Arbeit zunächst im angemieteten, seit September 2012 im eigenen Atelier habe ich die Techniken gefestigt und mich zunächst auf die Herstellung von Glasperlen konzentriert. Colliers und Unikatperlen habe ich auf verschiedenen Ausstellungen präsentiert.

 

Die Filigrantechnik, die ich im Sommer 2013 bei Anne Claude Jeitz und Alain Calliste erlernte, kommt  meiner gestalterischen Vorstellung am meisten entgegen, da ich nun skulptural arbeiten kann. Den „Glastexturen“ möchte ich in Objekten größerer Formate nachspüren, der Wirkung von Licht und Schatten, von Lichtbrechung durch transparentes Glas. Formal interessiert mich die Schlichtheit einer Form, aber auch ihre Zerstörung durch Aufbrechen und Verformen. Die Arbeit mit dem Handbrenner ermöglicht zeichnerische Vorgehensweisen (wie sie schon Anna Skibska beschrieben hat), während ich die Arbeit mit Farbglas am stationären Brenner eher für malerische Oberflächengestaltungen nutze.  Die selbst gezogenen Glasfäden weisen Unregelmäßigkeiten auf, lassen sich zu Geweben fügen, die an Pflanzliches erinnern. Doch auch Buchstaben scheinen in diese Texturen verwoben.

Heidi Schmitt

 

Netze in der Zwischenschicht: Faszinierendes Graal-Glas

Was für eine großartige Spielwiese: die Graal-Technik war im Herbst 2016 Mittelpunkt eines faszinierenden Workshops im Bild-Werk Frauenau. In der Meisterklasse des US-Künstlers Shane Fero habe ich mich beim Vorbereiten der lampengeblasenen Glas-Rohlinge wieder mit dem Weben von Netzen beschäftigt. In Zusammenarbeit mit den großartigen Glasbläsern am Heißglasofen entstanden zwei Vasen-Objekte. Dafür wurden die filigranen Lampwork-Teile im Ofen auf Temperatur gebracht und dann vom Glasmacher auf den Posten aufgeschmolzen. Nach dem Überstechen mit Heißglas wurde die endgültige Form ausgearbeitet. Großer Dank an Thorsten Rötsch und Markus Maschmann!

In der Bildergalerie unten ein kleines "Making of":