Neue Bildwelten im Zeichen der Schlange

Thema "Der Selbstmord der Lukretia" auf der Veste Coburg, links als Tafelbild von Lucas Cranach d. Ä., rechts Holzskulptur von Andriaen de Vries. Foto Schmitt
Thema "Der Selbstmord der Lukretia" auf der Veste Coburg, links als Tafelbild von Lucas Cranach d. Ä., rechts Holzskulptur von Andriaen de Vries. Foto Schmitt

Im Cranach-Jahr 2015 lohnt sich der Besuch der Veste Coburg besonders. Hier wird zum einen die einzige Ausstellung zu Cranachs Grafik im Ausstellungsreigen der 13 Cranach-Städte gezeigt. Zum anderen rücken die Coburger Kunstsammlungen in der neu konzipierten Dauerausstellung altdeutscher Malerei ihren reichen Bestand an Cranach-Werken in den Mittelpunkt.

Die Zeit um 1500 mit ihren entscheidenden Umwälzungen markiert den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit. Der Humanismus belebt die Auseinandersetzung mit Geschichte, Wissenschaft und Kunst. Durch die Reformation verändern sich Glaubensinhalte und Frömmigkeitspraxis. Der Bildersturm fegt die eben noch dominierenden Muttergottes- und Heiligendarstellungen hinweg. Ersetzt werden sie durch Bildfindungen, die den Menschen in seinem Glauben an den auferstandenen Christus zeigen. Das „Abendmahl“ (um 1500) von Mathis Gothardt Nithardt genannt Grünewald (vor 1480 – 1528) nimmt das mit seinen individualisierten Figuren bereits vorweg.

Unter dem Titel „Kunst – Religion – Politik. Bilder und ihre Funktionen im Wandel“ bringt die neugestaltete altdeutsche Sammlung auf der Veste Coburg den Besuchern solche Paradigmenwechsel nahe. In Medienstationen werden die Zusammenhänge didaktisch aufbereitet. Mit einem „Klick“ können die Besucher zum Beispiel hinter den wertvollen, elfenbeingeschnitzten Buchdeckel des Gandersheimer Evangeliars blicken und die unterschiedlichen Eidesformeln der Äbtissinnen vor und nach der Reformation nachvollziehen. Oder sie erfahren vom Kulturtransfer in der zunehmend mobilen Gesellschaft, durch den Motive aus Italien oder den Niederlanden in die deutsche Kunst einflossen. Albrecht Dürer (1471 – 1528) zeigt die Maria mit dem Jesuskind vor einer weitläufigen Landschaft, ein beliebtes italienisches Motiv. Lucas Cranach d. Ä. (1472 – 1553) hingegen setzt antike Motive wie die „Ruhende Quellnymphe“ in seine heimische, sächsische Landschaft. Neu zusammengefasste Themen-Gruppen wie zum Beispiel „Lukretia“ oder der „Schmerzensmann“ (unter anderem von Lucas Cranach dem Jüngeren) ermöglicht den Vergleich verschiedener Künstlerhandschriften.

Mit 450 Arbeiten, darunter 38 Gemälde, von Cranach, seinen Söhnen und der Werkstatt verfügen die Coburger Kunstsammlungen über einen „beachtlichen Bestand“, so Direktor Dr. Klaus Weschenfelder. 27 Tafelbilder sind nun ausgestellt und zeugen von der hohen Kunstfertigkeit der Malerfamilie. Aus der grafischen Sammlung sind in einer Sonderausstellung bis 31. Mai 2015 unter dem Titel „Cranachs Graphik – Neue Narrative im Zeichen der Schlange“ rund 100 exquisite Blätter zu sehen. Besonders Cranach Vater erprobte in der Grafik neue Themen und Ausdrucksformen.

Anhand der ausgewählten Werke wird deutlich, wie Cranach d. Ä. nach seiner Berufung als Hofmaler ab 1505 in Wittenberg dem höfischen Repräsentationsbedürfnis Rechnung trägt. Er platziert aber nicht nur die kurfürstlichen Wappen an prominenter Stelle, sondern auch das ihm verliehene Signet der geflügelten Schlange und arbeitet so an seiner eigenen Corporate Identity. Typisch für alle grafischen Arbeiten sind die Detailverliebtheit und die Übertragung aller Themen in die heimische Umgebung. Die Folterung Jesu im Holzschnittzyklus „Passion Christi“ (1509) findet in einem Wittenberger Folterkeller des 16. Jahrhunderts statt. Voller Dramatik schildert Cranach die Ereignisse während eines höfischen Turniers. Cranach führt in der Malerei die Aktdarstellung ein und auch in der Grafik findet erstmals die Aktfigur Eingang.

Als Maler der Reformation haben die Cranachs entscheidenden Anteil an der Verbreitung der neuen Glaubenslehre. Mit programmatischen Luther-Bildnissen erhielt die Reformation ein Gesicht. Die Grafik-Ausstellung erklärt, wie Luthers Image sich vom Portrait als tonsurierter Augustinermönch, über Junker Jörg mit Bart während seiner Zuflucht auf der Wartburg bis hin zum Dreiviertelprofil als Gelehrter entwickelt. Auch Aspekte der Zensur und von unlauterem Wettbewerb werden beleuchtet.

Heidi Schmitt

 

Dauerausstellung „Kunst – Religion – Politik. Bilder und ihre Funktionen im Wandel“, Veste Coburg, täglich 9.30 bis 17 Uhr.

 

Bis 31. Mai: „Cranachs Graphik – Neue Narrative im Zeichen der Schlange“, täglich 9.30 bis 17 Uhr.


Neuerscheinung

Reiseführer Thüringen, von Heidi Schmitt, Michael Müller Verlag, 416 Seiten und herausnehmbare Karte,

19,90 €, ISBN 978-3-

95654-474-3.

Presseschau

Der Coburger Lokalsender Radio Eins hat in seiner Rubrik "Menschen aus der Region" ein Interview mit der Autorin Heidi Schmitt geführt. Einen Zusammenschnitt des Gesprächs finden Sie unter:

http://www.radioeins.com/mediathek/kategorie/audiothek/audio/menschen-thueringen-reisefuehrer-autorin-heidi-schmitt/

Fränkische Nachrichten, 17.6.2017:

"Heidi Schmitt vermittelt ausführlich die kulturellen Höhepunkte, die neben Weimar als Wiege der deutschen Klassik und Erfurt mit dem imposanten Dom viele kleine beachtenswerte Schätze in sich vereinen. ... Die wunderbar zu lesenden Beschreibungen sind ergänzt durch viele hilfreiche und sehr detaillierte Informationen und Tipps."

 

Neue Presse Coburg

6.4.2017:

"Die Schönheiten, Schätze und Spezialitäten Thüringens stellt die Coburger Autorin Heidi Schmitt in einem opulenten Reisehandbuch vor"

 

Coburger Tageblatt, 30.3.2017:

"Detailreiches Loblied auf Thüringen"

Leserstimmen

"Wertvolle Hilfe"

"Wir haben eine Woche Thüringen bereist, und da war der Führer eine wertvolle Hilfe. Besonders der Tipp Kartoffelkeller in Eisenach war so gut, daß wir gleich zweimal dorthin gingen. Vielen Dank.

Hasso v. Samson, Hannover

Weiterhin erhältlich:

Heidi Höhn, André Gutgesell (Hrsg.):

"Kunst aus der Flamme - Zeitgenössisches Lampenglas in Europa"

140 Seiten, zahlreiche Farbfotos, 19,95 €

ISBN 978-3-00-044964-2

 

Einfach bestellen:

per E-Mail:

info@riemann.de

 

oder im RIEMANN-Shop

 

und das Buch per Post erhalten.

 

Weitere Infos:

 

www.kunstausderflamme.jimdo.com