GOHO 13: Kleiner Rundgang durch die Ateliers

Uschi Distler setzt ihre Masken aus Pate-de-verre in Szene. Foto: Heidi Höhn
Uschi Distler setzt ihre Masken aus Pate-de-verre in Szene. Foto: Heidi Höhn

Schauplatz Gostenhof. An zahlreichen Altstadthäusern dieses zentralen Wohnquartiers in Nürnberg prangen unübersehbar rote Fahnen: "GOHO 2013". Wer während der 9. Gostenhofer Atelier- und Werkstatttage durch die Straßen läuft, stolpert hier geradezu über die Kunst. Ich bin Zaungast bei der Glaskünstlerin Uschi Distler, meiner Lehrerin für am Brenner gearbeitete Glasperlen. Der Gasbrenner ist der Mittelpunkt ihres Ateliers in der Rothenburger Straße. Bei der GOHO zeigt sie nicht nur ihre eigenen bunten Glasperlen, Colliers, Ohrringe oder Anstecknadeln sowie verschiedene Objekte in Pate de verre-Technik, sie präsentiert auch Keramiken, Malerei und Filzobjekte von Leonie Böhnel. Spezialität von Uschi Distler sind die gewickelten Hohlperlen, die sie nicht nur rund arbeitet, sondern zum Beispiel muschelartig oder als Scheiben verformt. Doch auch die Spiralen sind unverkennbar: Marke Uschi Distler! An diesem Tag sind jedoch Herzen angesagt und die Besucher können sich gar nicht satt sehen an den Vorführungen am Brenner. Einige Mutige wagen sich sogar selbst an das Wickeln ihrer ersten Perle. Nach einigen Stunden können sie die zwischen Keramikfasermatten abgekühlten, glänzenden Prachtstücke mit nach Hause nehmen.

 

Es ist kaum möglich, alle offenen Ateliers und die zahlreichen begleitenden Ausstellungen zu besuchen. Doch selbst bei einem kleinen Gang um die Häuser kann man wunderbare Entdeckungen machen. In einem Hinterhaus riecht es noch nach Farbe. Hier tobt sich der Fotograf Tom Schrade in der Malerei aus. Pollock-like nimmt er die Farbflaschen in die Hand und bearbeitet die großen Formate actionreich und meist zu Filmmusik. Die abstrakten Bilder mit grafischem Hell-Dunkel-Kontrast haben viel Rhythmus und Energie.

 

Mit einem hintergründigen "Gag" möchte der Maler Holger Becker die Besucher zum Nachdenken anregen: Unter dem Titel "Free TV" verteilt er kleine Skulpturen aus Draht, die sowohl Antenne als auch eigenes Guckfenster für die Welt sein können. Mit seiner Anregung, einmal Sender und Empfänger in einem zu sein, hinterfragt er die gängige Medientheorie. Beckers Malerei in großem und kleinem Format ist abstrakt und in pastelliger Farbigkeit.

 

In Gostenhof haben sich auch Kreative niedergelassen, die der Isolation des Arbeitens in den eigenen vier Wänden entfliehen wollten. Die Architektin Sarah Sternkopf hat gemeinsam mit einer an der Promotion arbeitenden Literaturwissenschaftlerin ein Atelier nahe dem Weißen Turm. Hier zeigt sie strenge Architekturfotografie, wie zum Beispiel die menschenleeren Hallen des einstigen Versandhauses Quelle. Da darf ruhig ein bisschen Wehmut aufkommen.

 

Welch unterschiedliche Künstlertemperamente man auf einem GOHO-Spaziergang nacheinander erleben kann, zeigt die Übersichtsausstellung im evangelischen Gemeindezentrum. Wer nicht nur Bilder oder Skulpturen sehen möchte, der kann bei der GOHO zum Beispiel auch ein "wandelndes Atelier" erleben: Mit Performances und Malerei überrascht Frauke Mück.

 

Am kommenden Sonntag, 20. Oktober, sind die Ateliers noch einmal offen, meist zwischen 11 und 18 Uhr. Ein Katalog ist erschienen. Ein Faltblatt führt zu allen Locations.

hei

www.goho-ateliertage.de 

 

Weitere Fotos unter: "Mehr lesen".

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